Mein Seelenhund...

 

16 Jahre war Amber an meiner Seite. Ich holte sie mit meinem damaligen Freund aus dem Hamburger Tierheim, mit knapp 8 Monaten. Eigentlich hatten wir uns für einen anderen Hund entschieden, aber der war plötzlich vermittelt. 

 

Amber war allein in ihrem Zwinger. Sie hatte aufgrund einer Infektion kein Fell, war als stark unterernährter Fundhund ins Tierheim gekommen. Die Pfleger berichteten, dass sie sie mit der Schlinge zum Füttern fangen müssen, weil sie so scheu sei. Geschnappt habe sie wohl auch schon, nichts für Kinder, wird ein Angstbeißer.

Ich hatte bereits entgegen des Verbots ("Greifen Sie nicht durch die Gitter!!") zwei Finger in den Zwinger gesteckt und ihr die juckende Haut gekratzt.

 

Sie hatte all ihren Mut zusammengenommen, sie wollte mit mir mit.

 

25 Minuten später saß ich auf der Rückbank unseres Campingbusses mit dem angeleinten Häufchen Elend.

 

6 Wochen hat es gedauert, bis die Alpträume aufhörten (sie schlief zwischen uns im Bett, damit es besser wurde).

6 Monate, bis sie nicht sofort alles hinunterschlang, sondern abwartete, bis ich den Napf freigab, und weitere 6 Monate, bis sie aufhörte, Essen in der Couch zu verstecken  :) .

 

Ich bildete sie als Reitbegleithund aus, nahm sie mit zur Arbeit... sie wurde meine beste Freundin. Als meine Kinder geboren wurden, bewachte sie die Bettchen. Sie hätte ihr Leben für die Kinder gegeben. 

Mit 14 wurde sie dement, und es tat mir weh, dass ihre Persönlichkeit immer mehr den Weg in die nächste Welt angetreten hatte. Bemerkenswert war, dass sie ihre nie verlorene Scheu gegen Fremde völlig verlor, als hätte sie auch alle schlimmen Erfahrungen mit Menschen endlich vergessen. Dann kamen die weiteren Alterserscheinungen. Sie schämte sich, wenn ihr Korb morgens nach Urin roch und wurde wütend, wenn sie den Sprung ins Auto nicht mehr schaffte... Ende 2017 musste ich eine Entscheidung treffen, dabei war meine Ella noch so frisch gegangen.  Doch auch hier war ich es schuldig und es war richtig... Sie schlief im engsten Familienkreis friedlich ein.

Hier nochmals der Verweis auf die Sterbehilfe: Ihr müsst in solchen Momenten nicht funktionieren. Das habe ich auch nicht. Ich habe die Entscheidung getroffen, funktioniert haben andere (danke, Liebling, für deine Ehrfurcht und die Güte an diesem Tag). 

 

Sie hat ein Naturgrab in einem wunderschönen Garten erhalten. Auch dafür bin ich dankbar. Wer hierzu Fragen hat (Stichwort: darf ich mein Tier im Garten beerdigen?), ich berate euch gern.

 

Sie fehlt hier immer noch, jeden Tag. Manchmal sehe ich sie im Augenwinkel und wenn ich hinsehe, ist dort nichts.

Aber ich weiß, sie hat nur vor mir die Räume gewechselt. Und wenn ich in vielen Jahren die Räume wechsle, dann wartet meine beste Freundin am anderen Ende der Brücke, um mich abzuholen.

 

Nachtrag: bitte, nicht falsch verstehen!! Das Hamburger Tierheim tut, was es kann! Bei so vielen Tieren hat niemand Zeit, ein traumatisiertes Tier aufzubauen. Sie wäre verhungert, ohne die Mitarbeiter des Tierheims. Alle, die dort arbeiten, machen es aus Liebe zum Tier, so gut wie sie können.

Aktuelles

UMZUG!!

Der März steht unter dem Umzugsstern. BItte habt Verständnis, wenn ich etwas länger für eure Anfragen benötige und terminlich etwas enger gesteckt bin. Ab April starten wir dann mit neuen Kursen, und flexibleren Terminen (Praxisräume!!) wieder durch.

 

 

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© Jennifer Eggers